Der Allroundhandwerker unter Wasser.

von Julia Heidinger, Nadja Kardel und Carina Sager

img_5346Morgens am Hamburger Hafen. Gerade als die Sonne aufgeht, steigt Jonas die Treppe eines Schiffes hinunter und taucht ab in die Elbe. Seit April 2014 ist er jetzt schon bei den Hansetauchern als Berufstaucher angestellt. Doch mit dem Traumjob als Tauchlehrer in Urlaubsregionen hat Jonas’ Tätigkeit nichts zu tun.

Berufstaucher: Ein Job für Quereinsteiger

„Um Berufstaucher zu werden, macht man in der Regel eine technische Ausbildung, zum Beispiel als Schlosser. Danach macht man dann die Fortbildung zum Taucher, die mindestens zwei Jahre dauert. In diesen zwei Jahren besucht man drei Lehrgänge. Zum Schluss legt man eine praktische und eine theoretische Prüfung ab. Mit Abschluss der Prüfungen ist man geprüfter Taucher.“ Doch wie viele seiner Kollegen ist auch Jonas eher zufällig zum Berufstaucher geworden. „Direkt geplant war das nicht mit der Berufstaucherei. In Hamburg habe ich eine Lehre als KFZ-Mechatroniker gemacht und anschließend studiert. Über einen Freund habe ich nach dem Studium die Berufstaucherei kennengelernt und bin dort eingestiegen.“

Die Anspannung hört nie auf

p1120757Hauptsächlich ist Jonas im Team der Kampfmittelbergung anzutreffen. Dort suchen die Taucher konkret nach Kampfmitteln aus den Weltkriegen. Es scheint schon zu seinem täglichen Berufsleben zu gehören, Kriegsbomben aus dem Wasser zu fischen. „In der Regel werden die Bomben, sofern transportfähig, an Land geholt und dort entschärft oder direkt im Wasser gesprengt.“ Auch Roboter, die sogenannten Remotely Operated Vehicles (ROV), werden für die Kampfmittelbergung unter Wasser eingesetzt. „Das Entschärfen unter Wasser übersteigt zwar die Fähigkeiten eines ROVs, die Vorbereitung einer Sprengung unter Wasser ist jedoch durchaus möglich. Der Vorteil liegt natürlich darin, dass bei einer ungewollten Explosion nur das ROV zerstört wird und kein Taucher ums leben kommt.“ Momente, in denen er Angst vor einem Tauchgang hatte, gab es für ihn jedoch noch nicht. „Man ist vielleicht mal etwas angespannter, wenn man vor einem Tauchgang steht, den man in dieser Art noch nicht gemacht hat. Zum Beispiel Tauchen in größerer Tiefe, starker Strömung, Arbeiten in Bauwerken oder Tauchen unter größeren Schiffen.“

Man muss sich immer zu helfen wissen 

hw-unocal-ring-1-2Das Berufsbild ist abwechslungsreich. Neben der Kampfmittelbergung stehen noch viele andere Aufgaben unter der Wasseroberfläche an. „Als Berufstaucher ist man unter Wasser sozusagen ein Allroundhandwerker. Oft gibt es keine Patentlösungen für bestimmte Arbeiten, d.h. man muss sich immer zu helfen wissen. Dies gilt unter Wasser als auch über Wasser, zum Beispiel zur Vorbereitung der anstehenden Unterwasserarbeiten.“ Handwerkliches Geschick ist daher klare Voraussetzung für das Leben als Berufstaucher. Häufig werden die Hansetaucher auch für Schweiß-und Brennarbeiten, sowie Inspektionen und Reparaturen an Schiffen engagiert. Dass die Taucher bei gewissen Auswärtsarbeiten oft für längere Zeit nicht nach Hause kommen ist dabei ganz normal. Trotzdem hat Jonas an seiner beruflichen Entscheidung nie gezweifelt.

Panik unter Wasser kann gefährlich sein

Neben handwerklichem Geschick ist es für Berufstaucher wichtig, auch körperlich in Bestform zu sein. „Jedes Jahr muss man als Taucher eine ärztliche Untersuchung durchführen (G31). Besteht man diese nicht, kann man nicht als Taucher arbeiten. Ob man psychisch als Taucher geeignet ist, sieht man erst, wenn man es ausprobiert. Ist man klaustrophobisch veranlagt, wäre man eher ungeeignet. Zudem sollte man in Extrem- und Gefahrensituationen ruhig bleiben können. Panik  unter Wasser kann gefährlich sein.“ Rein physisch gesehen sind Frauen für diesen Job genauso geeignet wie Männer. „Dieser Beruf ist jedoch sehr männerdominiert, d.h. eine Frau hätte bestimmt einen etwas schwierigeren Stand. Ich persönlich kenne nur eine Berufstaucherin.“

Der Hafen ist immer noch stark durch die Industrie verschmutzt

DCIM100GOPRODen Hamburger Hafen besucht Jonas auch in seiner Freizeit gerne. Doch nimmt er ihn aus Sicht des Tauchers anders wahr als die üblichen Hafenbesucher. „Der Hamburger Hafen ist sehr schön. Dadurch, dass ich fast täglich in der Elbe arbeite, kenne ich aber auch die Gefahren. Zum Beispiel durch die Gezeiten und die damit verbundene Strömung. Auch sehe ich als Taucher, was sich im und auf dem Grund befindet. Der Hafen ist immer noch stark durch die Industrie verschmutzt, auch wenn es heutzutage wesentlich besser ist als in der Vergangenheit. Zudem ist der Hafen bzw. Hamburg noch sehr stark durch die Kampfmittel der vergangenen Kriege belastet.“

 

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