Film meets Theater – Ein Interview mit Regisseur Kornél Mundruczó

von Gina Gadewoltz, Sunke Lüppen, Tom Wendel und Nadine Wöbs

Kornél Mundruczó ist ein ungarischer Regisseur dessen Projekte weltweit zu sehen sind. Er studierte Theater- und Filmregie in Budapest und ist zuletzt für seinen Film „Underdog“ in Cannes ausgezeichnet worden. Nachdem Kornél bereits mehrere Arbeiten am Thalia Theater gezeigt hat, inszeniert er für Theater der Welt 2017 „Die Weber“ von Gerhart Hauptmann.

„Die Weber“ ist das bedeutendste Drama Hauptmanns und erschien 1892. In fünf Akten zeigt es die emotionalen Zustände der Arbeiter während des Weberaufstandes von 1844. „Das Stück ist wunderbar. Es ist ein Drama, aber nicht offensichtlich. Für mich ist es eine ganz neue Erfahrung ein Stück mit 57 Charakteren auf die Bühne zu bringen. Ich glaube Hauptmann hat dieses Stück nicht geschrieben, um es ans Theater zu bringen, sondern um es sich von der Seele zu schreiben.“ Verriet uns Kornél während unseres Interviews.

Schon 2010 war Kornél bei Theater der Welt in Essen dabei. Mit seiner Inszenierung „Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein“, das er mit seiner freien ungarischen Gruppe, Proton Theater, gemacht hat hat er den Zuschauern einiges zugetraut. Mit einer Mischung aus Laien- und Profischauspielern behandelt er Themen wie Menschenhandel, Machtmechanismen und politischen Extremismus.

Kornél sagt selbst über seine Arbeit: „Die meiste Zeit habe ich die Möglichkeit an meinen eigenen Stücken zu arbeiten. Wenn man seine eigene Geschichte schreibt, reflektiert man den Inhalt immer und immer wieder, was sehr üblich beim Film ist. Im Theater ist das anders. Hier interpretiere ich bereits vorhandene Stücke neu.“ Ein weiterer Unterschied zwischen Film und Theater ist die Reichweite. „Wenn du einen Film drehst, wird er übersetzt und überall verstanden. Im Theater ist das nicht so. Du bist sprachlich eingeschränkt bzw. an das Aufführungsland gebunden. Zudem hat Theater eine geringere Reichweite. Aber dadurch natürlich auch eine intimere Atmosphäre. Trotzdem würde ich mich eher als Filmregisseur einordnen.“

Auf die Frage wie Kornél mit den Unterschieden des deutschen und des ungarischen Theaters umgeht sagt er: „Wenn man in einem anderen Land inszeniert, bedarf es immer einer längeren Vorbereitung als in seiner Heimat. Man sollte offen für die neue Kultur sein, aber dennoch seinen eigenen Wurzeln treu bleiben.“

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