Ein Blick in die Vergangenheit.

von Gina Gadewoltz, Sunke Lüppen, Tom Wendel und Nadine Wöbs

„Theater der Welt“ gehört zu den bedeutendsten Theaterfestivals in Deutschland. Seit 1981 gastiert das Festival alle drei Jahre in einer anderen deutschen Stadt. Jedes Festival hat ein besonderes Thema, welches mit der jeweiligen Stadt verbunden ist. Wir haben die Austragungsorte und Themen der vergangenen Jahre unter die Lupe genommen.

Komm! ins Offene.

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2008 kam das „Theater der Welt“-Festival in das vergleichsweise kleine Halle in Sachsen-Anhalt und verwandelte die komplette Stadt zu einer offenen Bühne. 500 Künstler aus 5 Kontinenten und 18 Ländern bespielten an 18 Tagen 18 Spielstätten.

Das Motto „Komm! ins Offene“ ist eine Hommage an einen Aufruf von Friedrich Hölderlins gegen die ‚bleierne Zeit’. Dieses Signal griff die ganze Region an der Saale auf und bildete so den Schauplatz des Festivals. Das komplette „Theater der Welt“-Festival streckte sich von dem Stadtgebiet Halle, über den Flughafen Leipzig/Halle, bis zur „Kulturinsel“ und anderen Theaterstätten.

Für die Vorführung „Escalators“ lud das Internationale Theaterinstitut vier Choreographinnen ein, die mit Tänzerinnen und Tänzern aus der Region Interventionen im öffentlich Raum erarbeiteten. Ausgangspunkt bildeten hierfür die Rolltreppen der halleschen Kaufhäuser und des Flughafens, welche zum tänzerischen Gesamtkonzept beitrugen. „Escalators“ schaffte es, neue Spiel-, Denk- und Bewegungsmöglichkeiten zu entdecken.

Perspektivwechsel lassen neue Bilder entstehen.

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2010 durfte Europas Kulturhauptstadt „RUHR.2010“ dem Theater der Welt ihre Pforten öffnen. Zu Gast war das Festival in Mülheim an der Ruhr und in Essen, den Städten, in denen die Welt sich begegnet, denn in dieser Region leben Menschen aus mehr als 160 Nationen.
Hier wird das Zusammenleben über alle Grenzen, Sprachen und Kulturen nicht hinterfragt, sondern einfach möglich gemacht. Und genau dieser Thematik nimmt sich das Theater der Welt in 2010 an. Wie können Theater, Tanz und Performance in einer modernen Stadtgesellschaft die traditionellen Trennlinien zwischen Milieus, Generationen, Sprachen und Kulturen überspielen?

 

Welchen Raum sich die Veränderungen einer Welt, die durch Migration, wechselnde Zugehörigkeiten und wandelnde Bindungen geprägt ist, im Theaterprogramm von RUHR.2010 geschaffen haben, machte das Theaterfestival besonders deutlich.

Für drei Wochen versammelten sich Künstler der ganzen Welt. Aus West- und Osteuropa, der arabischen Welt, Afrika, Mittel- und Südamerika, aus Asien und Ozeanien. Sie alle verbindet zwar nicht ihr Heimatort, aber die Zeit in der sie leben.
Das Theater der Welt 2010 ermöglichte multikulturelle Einblicke in die ganz persönlichen Arbeiten der internationalen Künstler. So überraschte beispielsweise Produzent Willi Dorner aus Wien mit seiner außergewöhnlichen Performance „Urban Drifting“ in der die multikulturelle Essener Innenstadt durch Parcour-Künstler entdeckt wurde.

 

Die eigene Realität als fremde Welt.

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Das letzte „Theater der Welt“ fand 2014 in Mannheim statt. Einer Stadt, in der Menschen aus über 170 Nationen leben. Mit dieser Vielfalt ist Mannheim exemplarisch für viele deutsche Metropolen. Das Festival sollte die internationale Perspektive mit den lokalen Realitäten konfrontieren.

Die Leitung übernahm Matthias Lilienthal. Im Mittelpunkt stand das Thema „Die eigene Realität als fremde Welt“, mit verschieden Inszenierungen in der Stadt. Neben eingeladenen Produktionen standen Neuproduktionen und Arbeiten, wie die Stadtraumprojekte „X-Firmen“ und „HOTEL shabbyshabby“ auf dem Programm. Bei letzterem hatten 120 vorher ausgewählte Studenten aus ganz Europa die Aufgabe, 22 Hotelzimmer an öffentlichen Plätzen der Stadt für ein Budget von 250€ zu kreieren. Neben den Festivalbesuchern waren explizit auch Mannheimer Bürger eingeladen, bei einer Übernachtung in den sogenannten Shabbyshabbys einen neuen Blick auf die eigene Stadt zu werfen.

Im Programm traf man neben internationalen Größen wie Philippe Quesne und Anna De Keersmaeker, auch auf Namen wie Joe Namy. Der aus Beirut stammende Künstler inszenierte eine Autodisko im Zentrum der Stadt.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. rgl sagt:

    Ich war 1981 im Team bin Theater der Welt. Habe noch viele Unterlagen wie Festivalzeitung und Pressespiegel. Und alle Plakate – dazu bin ich schon mit eurem Team in Kontakt.
    R.

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