Stimmen aus der Universtität Hamburg – Hamburger Hafen Kongress – Diskurs 3

Seminar: Transitorische Räume im Gegenwartsdrama und -theater unter der Leitung von Felix Lempp, M.A.

Hamburg nimmt für Niedersachsen und Schleswig-Holstein Sturmfluten in Kauf

Nachdem Frau Prof. Gutjahr uns auch heute nett begrüßt und Frau Prof. Sörensen ihren Vortrag über das Ländliche unserer doch recht grünen Hansestadt freudig zusammenfasst: „Das Ländliche ist mittendrin, dazwischen und am Rand der Stadt!“, erklärt uns Herr Prof. Fröhle Näheres über das Hochwasser durch Sturmfluten, was auch alteingebackene Hamburger durchaus staunen lässt!

100km Elbe liegen zwischen der Nordsee und Hamburg. Die Großstadt ist ständig gefährdet, überflutet zu werden, da die Elbe den Gezeiten unterliegt und Sturmfluten, zu hohe Abflüsse vom Oberstrom und Starkniederschläge drohen. Vor 150 Jahren betrug der Tidehub der Elbe maximal zwei Meter. Durch die Vertiefung des Hafens, den Ausbau der Deichlinie und die Abdämmung aller Nebenflüsse beträgt der Tidehub heutzutage jedoch knapp vier Meter! Alle seit 1750 gemessenen Hochwasserstände sind niedriger als zur Jahrhundertflut 1962, seitdem können aber nur noch Erhöhungen gemessen werden! 2013 zum Beispiel gab es den zweithöchsten jemals gemessenen Stand. Durch die voranschreitende globale Erwärmung wird sich der weltweite Meeresstand in den nächsten hundert Jahren höchstwahrscheinlich noch zwischen 0,3 und 1,0 Metern erhöhen. Da muss man dagegenhalten, um hier überleben zu können.

Dem Hochwasser angepasste Bauweisen   
Wer ist schon einmal durch die Hafencity gelaufen und hat sich gewundert, dass einige Häuser unterhalb des Straßenniveaus angelegt sind und Eingänge haben, zu denen man erst eine Treppe hinabsteigen muss? Mir ging es gewiss so! Und das liegt daran, so Prof. Fröhle, dass dies die älteren Häuser im Hafen sind. Das Straßenniveau wurde zum Schutz vor dem Hochwasser nämlich höher gelegt und die neuen Gebäude mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen versehen: wasserdichte Konstruktionen wie in der modernen Hafencity, integrierte Hochwasserschutzmauern wie das zum Beispiel bei den Landungsbrücken der Fall ist, oder auf Stelzen errichtete und gar schwimmende Konstruktionen. Alles ist machbar.

Was wären wir ohne Deiche?           
Herr Prof. Fröhle hat uns ein numerisches Modell mitgebracht und zeigt uns eindrucksvoll, was bei dem Orkan Xaver im Jahr 2013 geschehen wäre, wenn wir keine Deiche gehabt hätten.

Der Professor drückt auf einen Knopf und die Flut wird ausgelöst. Gespannt hält das Publikum den Atem an. Der digitale Wasserschwall erreicht das Elbdelta und wird ins Land getragen. Die unmittelbare Umgebung wird langsam blau. Das Wasser fließt. Und fließt. Und es fließt immer noch. Große Teile Schleswig-Holsteins und Niedersachsens sind bereits überflutet, riesige Gebiete sind blau gemalt. Und was ist mit Hamburg? Die Blicke wenden sich der Stadt zu – nichts! So gut wie kein Hochwasser ist auf die Großstadt geprallt! Um die Nachricht zu verdauen, wie „trocken“ es Hamburg ohne Deiche ginge, herrscht erst einmal Schweigen.

Viele im Publikum können sich noch an das Tief zu Nikolaus 2013 erinnern, einige auch noch an die verheerende Flut 1962. Doch dass Deiche, die eine Überflutung ja verhindern sollen, die Wassermassen nur weitertragen, ist eigentlich logisch, aber wohl doch nicht so ganz in den Köpfen präsent. Prof. Fröhle erklärt, dass die weiten Gebiete in Norddeutschland durch die Deichlinie geschützt werden, nur eben ein bisschen auf Kosten Hamburgs, denn das Wasser muss ja irgendwo hin. Und für die „wassertechnischen“ Belange Hamburgs ist er ja da – er und seine Kollegen, die seit Jahren daran arbeiten, einen zuverlässigen Schutz vor Hochwasser auszutüfteln.

Nach diesem Ausflug in „halligen-artige“ Thematiken werden wir noch von Frau Prof. Wildner akustisch stimuliert, die uns das soundscaping vorstellt, und erhalten von Herrn Prof. Strupp Einblicke in die nicht ganz unkritisch zu betrachtende Historie des Hafengeburtstages.

Bei der anschließenden Diskussion kommen oben genannte alteingebackene Hamburger selbst zu Worte und erzählen Interessantes aus ihrer jahrelangen Zeit am Hafen. Ein Lachen geht herum, die Veranstaltung wird als beendet erklärt, doch es wird sich noch unterhalten: über das schöne Wetter, den Alltag und ganz besonders den Hafen – 828 Jahre alt und immer noch steter Alltag.

Nicola Müller

 


 

 Urban-Trendsetter versus Dorftrottel

 Gedanken zum Vortrag „Das Ländliche in der Stadt, common grounds entlang des Hafens“ von Prof. Dipl. Ing. Christiane Sörensen (Landschaftsarchitektin)

Als gebürtige Hamburgerin und bekennender Stadtmensch kann ich den Trend des Wegzugs aus ländlichen Gebieten in die Großstädte der Republik bestens nachvollziehen, denn wer möchte schon in der Dorfidylle leben, wenn er stattdessen auch einen urban-trendigen Lebensstil pflegen kann?

Der globale Urbanisierungsprozess, der in den westlichen Ländern bereits weit fortgeschritten ist und in den Schwellen- und Drittweltländern rasant vorangeht, ist in aller Munde. Debatten über das „Ländliche“ (Landbewohner, Landschaft, Landwirtschaft) scheinen dagegen zunehmend in den Hintergrund zu rücken.

Doch wer genau hinhört, merkt: Es gibt auch andere Stimmen. Die Stimmen, die von einer Auflösung der klaren Grenzziehung zwischen Stadt und Dorf sprechen, von der Suche nach dem Ländlichen im Städtischen.

Und mal ehrlich: Der Kleingarten, in dem das eigene Gemüse angebaut wird, avanciert doch zum Beispiel gerade zum hippen Ort, der plötzlich nicht mehr nur den mittfünfzigjährig-spießigen Kleinbürgern vorbehalten ist.

Die Grenzen verschieben sich, sind dynamisch, eine zunehmende Inklusion des Dörflichen in der Stadt ist festzustellen. Gerade am Hamburger Hafen ist dieser Prozess der Grenzaufhebung zu beobachten. Der Hafen – ohne Frage das Herzstück der Hansestadt – ist nicht nur wirtschaftlicher Warenumschlagspunkt, er wird zunehmend zum urbanen Lebens- und Arbeitsraum (Hafencity, Wilhelmsburg), aber eben auch – an seinen Rändern – zum ländlichen Wohnraum für eine neue Generation.

Das Ländliche als ideelle Größe

Niklas Maak spricht bezüglich dieser Generation von den ruralen Futuristen, die glauben, dass das Land ihnen mehr Freiheit bietet, dass dort alternative Lebensentwürfe erprobt werden können, die in den kapitalistischen Großstädten nicht möglich sind. Das Dorf  nicht als Rückzugsort, sondern als utopische Keimzelle. Als Ort für moderne ländliche Lebensentwürfe, im Sinne von urban agriculture, einem sinnvollen, ökologischen Umgang mit landwirtschaftlichen Ressourcen in städtischen Randgebieten, einem Bewusstsein über den Klimawandel im Angesicht einer globalen Urbanisierung.

Dorftrottel oder Trendsetter?

Ländliches Leben in der Großstadt, am Rande des größten Seehafens der Bundesrepublik, in einer multikulturellen, vielseitigen Gesellschaft, mit Gemüse aus eigenem Anbau und dem Hafen vor der Tür. Dieses Szenario scheint auch mir als bekennendem Stadtmenschen durchaus reizvoll und so muss ich mich fragen: Ist der Dorftrottel von gestern vielleicht der Trendsetter von morgen?!

Judith Achner

 


 

Hafenkongress Sektion 3

Harbour Soundscape. Das war der Oberbegriff unter dem der Vortrag von Professor Wildner bei der dritten Sektion des Hafenkongresses stand.

Damit konnte ich erst einmal wenig anfangen. Schnell erklärte Professor Wildner, dass man sich als Soundscapes Sound als Werkzeug oder Verbindungsglied zur Umwelt vorstellen könnte, und wies auf das bekannte Wort „landscape“ hin.

Bei so genannten „Sound Walks“ nimmt man seine Umwelt über die Geräusche statt über das Visuelle wahr und versucht, sie sich über das Auditive zu erschließen. Gerade im Hafen sei dies eine spannende Angelegenheit.

Zum Hafen gehören natürlich aber nicht nur Geräusche, sondern auch die ländlichen Gemeinden, die entlang des Hafens zu finden sind. Professor Sörensen erklärte, dass diese immer mehr die städtischen Strukturen übernehmen würden.

Genauso sind der Hafengeburtstag und auch der Klimawandel relevante Themen, wenn es um den Hamburger Hafen geht.

All diese Themenbereiche sind bei der dritten Sektion des Hamburger Hafenkongresses angesprochen, dargestellt und diskutiert worden.

Ich finde es sehr spannend, unter welch verschiedenen Sichtweisen man auf den Hafen gucken kann und in welches Licht er, je nach Blickwinkel, rückt.

Ich fand es sehr interessant, diese verschiedenen Sichtweisen präsentiert zu bekommen, und hätte mir doch gewünscht, dass sich durch die Vorträge irgendwo ein roter Faden (außer der, dass alle über den Hamburger Hafen sprachen) ziehen ließe.

Die Themen waren nicht wirklich miteinander in Verbindung zu setzen und betrachteten absolut verschiedene Bereiche des Hafens.
Auch wenn es interessant war über diese vielen verschieden Bereiche zu erfahren, hätte ich mir doch gewünscht, dass die Vorträge zumindest einen ähnlichen Themenbereich gehabt hätten, sodass hinterher darüber diskutiert werden hätte können.

Jennifer Harms

 


 

Der Hafen im Spagat zwischen Tradition und Fortschritt

Der Hamburger Hafen: Ein Spiegel jahrhundertelanger Traditionen oder ein Ort des stetigen Wandels und der Anpassung an eine globalisierte Welt? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Referenten der Sektion 3 des diesjährigen Hafenkongresses.

Der Hamburger Hafen bildet den Kern der Stadt. In ihm soll Wohnen, Arbeiten und Leben nebeneinander möglich sein. Er verbindet dadurch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Hansestadt miteinander.

Landschaftsarchitektur zwischen Tradition und Anpassung

Das von der Landschaftsarchitektin Christiane Sörensen vorgestellte Konzept widerspricht diesem Anspruch nicht. Ganz im Gegenteil: Grünflächen – so die Professorin der Hafencity Universität – umgeben den Hafen und bilden zusammen mit ihren Kirchengemeinden Orte des Innehaltens und der Tradition; und das in unmittelbarer Nähe des größten Warenumschlagsplatzes – ja, des wirtschaftlichen Zentrums der Stadt. Zugleich, so beteuert Sörensen, entstehen in direkter Umgebung des Hafens und in unmittelbarer Nähe der Kirchen Flüchtlingsunterkünfte. Ein Zeichen, dass der Hamburger Hafen eben sehr viel mehr ist als ein Ort der Traditionen. Er bildet das Tor zur Welt und ist damit zur ständigen Anpassung an die Herausforderungen einer multikulturellen Stadt gezwungen. Nur so schafft es der Hafen, einen Ort der Tradition darzustellen, der zugleich ein Sinnbild der Globalisierung, ja ein Tor zur Welt, bleibt.

Architektur im Wandel

Diese Dynamik des Hafens und die damit verbundenen Anpassungen an neue Herausforderungen bilden auch den Kern des Hochwasserschutzes. Die durch den fortschreitenden Klimawandel steigenden Hochwasserstände, so der zweite Referent des Abends, führen unweigerlich zu einer Erhöhung der Tidewasserstände. Auch in diesem Bereich sind stetige Anpassungen in Form moderner Architektur notwendig, seien es Deichanpassungen, schwimmende Architektur oder Gebäude auf Stelzen. Entscheidend ist es somit, dass im Hafengebiet Modernisierungen und Traditionen einander nicht ausschließen, sondern zu einem produktiven Konzept vereint werden.

 Der Wunsch nach Tradition beim Hafengeburtstag

Die Frage nach Tradition oder Kommerzialisierung des Hafens spiegelt sich besonders deutlich in dem Vortrag Christoph Strupps, der sich mit dem Hamburger Hafengeburtstag auseinandersetzt. Der Mitarbeiter der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) führt dabei die Zuhörer Jahrhunderte zurück zu den Anfängen des Hafengeburtstages in Hamburg. Am Beispiel des Hansetages von 1939, der Überseetage ab 1949 oder des 773. Hafengeburtstages im Jahr 1964 wird deutlich, dass es bei dem „Hamburger Hafengeburtstag“ jahrzehntelang ausschließlich um die Förderung wirtschaftlicher Interessen ging. Erst seit 1977 stehen bei dem großen Volksfest weniger der wirtschaftliche Aspekt und mehr die Selbstdarstellung der Stadt und die Feier eines hanseatischen Zusammengehörigkeitsgefühls im Vordergrund.

Schließlich bleibt jedoch die Frage, inwiefern der Hamburger Hafengeburtstag noch auf historische und kulturelle Ursprünge zurückgeht. Sieht man sich den Hamburger Hafengeburtstag in seiner heutigen Form an, so vermisst man hier als Hamburger doch oftmals etwas die Tradition inmitten von an Kirmes erinnernden Essensständen. Ausschließlich alte Lotsenschiffe und Segler auf der Elbe scheinen an eine Tradition zu erinnern, nach der viele Hamburger bei der größten Feier ihres Heimathafens vergeblich suchen. Letztlich hinterlässt der Hamburger Hafengeburtstag doch eher den Eindruck einer rein kommerziell orientierten aktiven Inszenierung des Hafens, bei der Traditionen in den Hintergrund rücken.

Der Hafen als Herz der Stadt und Tor zur Welt

Die Beiträge des Abends werfen die Frage auf, wie der Hamburger Hafen seine Tradition mit dem Wandel und den wirtschaftlichen Interessen vereinen kann, und damit seiner Rolle als Ort hanseatischer Identifikation gerecht wird.

Jeder Hamburger wird unterschreiben können, dass der Hamburger Hafen für ihn deutlich mehr darstellt als ein reines Industriegebiet. Er ist viel mehr als das. Er ist ein Symbol der Globalisierung, der Weltoffenheit und der Multikulturalität. Er ist das Tor zur Welt, ein Ort an dem die Welt zusammenkommt. Zugleich ist er aber auch ein Ort der Traditionen und vermittelt vielen Hamburgern dadurch ein Heimatgefühl.

Wie es der Hafen schafft, bei neuen Herausforderungen und Anpassungen seine Traditionen nicht über Bord zu werfen, ist wohl nicht nur eine Frage, die bei der Elbvertiefung oder anderen Projekten eine Rolle spielen wird, sondern uns als Hamburger in einer nach Fortschritt strebenden Stadt ständig begleiten wird.

Felicitas Alexandra Schawe

 


 

Hafenkongress Sektion 3: Sounds im Hafen

Gehen wir ohne technische Geräte ausgestattet in den Hafen und konzentrieren uns nur auf die auditive Wahrnehmung. Was wird dann alles bewusst? Wie klingt der Hafen? Bekommt er eine neue Identität? Solche Fragen stellen sich dem Zuhörer während des Vortrags von Frau Prof. Dr. Kathrin Wildner zum Thema „Harbour Soundscape“ innerhalb des Hafenkongresses Sektion 3.

Der Hafen als komplexer Raum aufgefasst kann von seiner auditiven Seite ganz neu erforscht werden. Eine Methode, um den Sound eines Raumes genauer zu erkunden, stellt der sogenannte „Soundwalk“ dar. Hier geht es darum, ohne technische Geräte und ohne verbale Kommunikation, den Raum auf sich wirken zu lassen. Zu erwartende Geräusche im Hafen sind vielleicht das Quietschen von Metall, Krangeräusche, das Plätschern des Wassers, Möwengeschrei oder Unterhaltungen zwischen Menschen. Eine vorgespielte Beispielaufnahme von einem „Soundwalk“ durch den Hafen lässt jedoch ebenfalls andere Geräusche erkennbar werden: Die Einsingübungen eines Chores. Daran wird deutlich, dass die Architektur, die den Hafen umgibt und ausmacht, im Wandel ist. Der Raum des Hafens ist Teil des Wohnortes der Menschen geworden. Wie viel kann man über Hafen und Mensch erfahren, wenn man genau hinhört? Angeregt durch den Beitrag werden sicherlich viele Zuhörer/innen einen „Soundwalk“ durch den Hafen machen und allgemein bewusster mit Geräuschen umgehen.

Wie passend, dass direkt im Anschluss an den Kongress das Theaterstück „CHILDREN OF GODS“, in welchem unter anderem Musik von R. Murray Schafer erklingt, zur Darbietung kommt. M. Schafer ist neben seiner Komponistentätigkeit Musikwissenschaftler und erforscht Klänge, im Besonderen ist er Mitbegründer des in Vancouver gestarteten Projekts zur Untersuchung und Aufnahme von „Soundscapes“. Um solche Klanglandschaften zu erforschen, benötigt es einen Fokus auf das Auditive. In dem Zusammenhang kann man sich fragen, inwieweit die akustische Umwelt als Indikator für die spezifische Umgebung gelten kann.

Die Auswirkungen, die das Ins-Bewusstsein-Holen für Geräusche nach sich zieht, konnte bereits auf dem Fußweg zu der Inszenierung von „CHILDREN OF GODS“ in dem Kakaospeicher auf dem Baakenhöft beobachtet werden. Die Zuhörer des Vortrags unterhielten sich über Geräusche und Klänge, die vorher nicht so stark im Bewusstsein waren. Auch wenn der Fußweg noch keinen richtigen „Soundwalk“ dargestellt hat, waren doch Auswirkungen von dem Vortrag beobachtbar. Ebenfalls während der Aufführung des Theaterstückes ist deutlich geworden, dass die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für Geräusche und Klänge noch im Fokus standen, sodass bei anfänglich einkehrender Ruhe das Geschrei der Möwen vielleicht deutlicher wahrgenommen wurde.

Innerhalb des Vortrags kam ein weiterer interessanter Punkt zur Sprache: Wie kann der Hafen selber zum Konzert werden? In diesem Zusammenhang erwähnte Frau Prof. Dr. K. Wildner die „Sinfonie der Sirenen“, welche der Komponist Arseny Avraamov 1922 im Hafen von Baku entstehen lassen hat und selbst dirigierte. Der Hafenklang wurde dadurch imitiert und die Komposition kann damit vielleicht als ein Versuch angesehen werden, ein städtisches Phänomen künstlerisch darzustellen und somit der Stadt etwas „Ländliches“ zu verleihen.

Damit schließt der Beitrag den Kongress nicht nur sehr interessant ab und sensibilisiert die

Zuhörer hervorragend für den anstehenden Theaterbesuch, sondern schlägt zugleich auch einen interessanten Bogen zu dem Eingangsbeitrag „Das Ländliche in der Stadt. ,commen grounds‘ entlang des Hafens“ von Frau Prof. Christiane Sörensen. Sie behandelte unter anderem die Frage, inwieweit das Städtische ländliche Elemente übernimmt. Als Beispiel führte sie Kirchen an, die unter dem Aspekt der Verortung von ländlichen Gebieten angesehen werden können, und der Klang des Läutens ihrer Glocken als ein Element betrachtet werden kann, welches einen Teil des Ländlichen in die Stadt bringt.

Patrizia von Palubitzki

 


 

Ein Stück Hafen zwischen Designerkleidern – Hafenkongress, Sektion 3

„Allmende“, „Anthropozän“… Im designxport zwischen stylischen Kleidungsstücken, die liebevoll im Raum dekoriert sind, berichtet die erste Rednerin des Abends mit eindrucksvollen Worten über den Beitrag der Ländlichkeit in einer Stadt wie Hamburg. Leider kann ich einiges sowohl kognitiv als auch akustisch nicht richtig verstehen, meine Aufmerksamkeit driftet davon und ich ertappe mich dabei, dass mein Blick an den bunten Bildchen haften bleibt, die über zwei Bildschirme gezeigt werden. Sie stellen Stadtkarten dar. Klick. Nächste Folie. Frau Prof. Chistiane Sörensen spricht von Kirchen, die eine gewisse Ländlichkeit ausstrahlen und zum Verweilen einladen, umringt von Flüchtlingsheimen und Industriehafen. Klick, sie spricht von Kleingärten, die einen Ring in der Stadt bilden. Ländlichkeit als Treffpunkt für soziales Miteinander, ja. Aber ob wohl landwirtschaftliche Nutzung so ohne Weiteres möglich ist, mitten in einer Stadt, die ständig Abgase ausatmet und mit Industrieabfällen durchpumpt wird? Frau Sörensen gibt in der an den Vortrag anschließenden Diskussion zu, dass sich diese Frage nicht gut beantworten lasse. Sie gehöre zu den Tabufragen. Klick, zurück zum Vortrag. Sie spricht von der freizeitlichen Nutzung von Deichen… Hmmm… Deichspaziergänge. Zack, schon sitze ich auf einer Bank, schaue aufs Wasser, um mich herum kleine Schafe, die fröhlich blöken, während sie die abschüssige Wiese von Gänseblümchen befreien.

Hals- und Deichbruch

Ob dieser Deich auch einer Sturmflut standhalten könnte? Prof. Dr. Peter Fröhle scheint sich da nicht so sicher und erläutert einige Maßnahmen, die ergriffen werden können, um einem erhöhten Wasserspiegel auch in Zukunft gewachsen zu sein. Immerhin soll dieser zwischen 30 cm und einem Meter steigen in den nächsten Jahrzehnten! Deicherhöhung ist da angebracht. Oder besser: Deiche einreißen, um mehr Fläche für einlaufende Wassermassen zu haben. Nachteil daran wäre allerdings, dass Schleswig-Holstein Opfer dieser Maßnahme wäre und komplett unter Wasser stünde. Diese Idee ist also nur mit Vorsicht zu genießen. Wer sich keine nassen Füße holen möchte, hätte sonst noch die Möglichkeit, in schwimmenden Häusern zu wohnen. Von dort aus könnte man sicher auch gut auf den Hafen blicken und den alljährlichen Hafengeburtstag vom verglasten Balkon aus wunderbar beobachten.

Vom „Feuerwerkstrauma“ und Schlepperballett

Apropos Hafengeburtstag: Wer hätte gedacht, dass es den erst seit 1977 gibt? Zwar wurde schon 1939 ein Hansetag und ab 1950 regelmäßig ein Überseetag gefeiert. Letzterer schien jedoch – den Fotos nach zu urteilen, die der dritte Redner Dr. Prof. Strupp in seiner Präsentation zeigt – eine schnarchlangweilige Veranstaltung für einen geschlossenen Kreis gewesen zu sein. 1964 dann endlich das erste richtige Fest für alle! Na ja  – eigentlich mehr eine Werbeveranstaltung im großen Stil, aber immerhin mit großem Feuerwerk. Dass dieses Feuerwerk ganze Verkehrsnetze lahmlegte und zu Massenpaniken führte, weil es zu viele Schaulustige sehen wollten, damit hatte wohl niemand gerechnet. Das „Feuerwerkstrauma“ hält über ein Jahrzehnt an, bevor vorsichtig ein zweiter Versuch gestartet wird. Seit 1977 können wir uns endlich jedes Jahr wieder ins Getümmel stürzen! Schlepperballett ansehen, Fischbrötchen essen und zum Nachtisch Zuckerwatte schlickern und eine Runde im Riesenrad drehen…Was braucht das Hamburger Herz mehr, um höher zu schlagen? Ja, es ist irgendwie künstlich, weil es sich bei dem Geburtstag um eine Inszenierung handelt, die nicht nur kommerzialisiert, sondern auch ohne lange Tradition ist. Aber trotzdem – der Hafengeburtstag ist das Fest der Hamburger für Hamburger! Vielleicht werde ich ihn nächstes Jahr auch einmal besuchen…

Hafenmusik

Dass der Hafen nicht nur imposante Ausblicke bietet, das stellt die letzte Vortragende des Abends, Frau Prof. Dr. Kathrin Wildner, eindrucksvoll unter Beweis. Sie erforscht die Sounds, also die Musik, Klänge und Geräusche von Städten, kann aus ihnen lesen wie aus einem offenen Buch. Spannend! Einige Hörkostproben sogenannter „Soundscapes“ darf das Publikum heute Abend bereits genießen. Sie werden von den Wissenschaftlern gut aufbewahrt, um es auch künftigen Generationen zu ermöglichen, in unsere Zeit hineinzuhorchen. Wer mehr möchte, sollte sich einfach mal auf den Weg machen, zum Beispiel an die Landungsbrücken. Der Hafen wird hier ganz unbemerkt zum riesigen Instrument. Alle Umgebung bildet das Orchester. Einfach Augen schließen und schon beginnt die Makrosinfonie!

Mareike Henken

 


 

Der Hafen: seine Klänge und seine Tiefen

Es wurde informativ hier in der dritten Sektion des Hafenkongresses, der an diesem Sonntag im Gebäude des designxport in der Hongkongstrasse 8 abgehalten wurde. Denn die vier Redner, Prof. Christiane Sörensen, Prof. Dr. Peter Fröhle, Prof. Dr. Kathrin Wildner und Dr. Christoph Strupp, boten ein Programm, das vielfältiger nicht sein konnte und dennoch sein Zentrum hatte: den Hamburger Hafen.

Die Themen variierten dabei zwischen dem Ländlichen in der Stadt, den sogenannten “common grounds” rund um den Hafen und wie dieser genutzt wird. Wie Relikte alter Zeiten wie Kirchen an die Vergangenheit erinnern und die Brachflächen genutzt werden, was der Klimawandel für die Stadt und den Hafen zu bedeuten hätte, die Geschichte des Hafengeburtstages und der Klang des Hafens – all diese Felder wurden behandelt.

Geht Hamburg unter?

Als zweiter Redner sprach Herr Fröhle über die Wassertiefe des Hafens, verschiedene Deicharten, wie man Häuser und Stadt schützen könne vor Sturmfluten und wie wahrscheinlich diese wären. Wie sieht die Zukunft für Hamburg aus, wenn die Klimaerwärmung den Wasserspiegel der Elbe steigen lässt? Ein Thema, das alle Anwesenden sehr interessierte und für das hier definitiv ein paar Fragen beantwortet wurden. Sorgen müsse man sich zum jetzigen Zeitpunkt nur wenige machen, ein Restrisiko bestehe aber immer, dass eine Sturmflut eintrete, die die einkalkulierten Sicherheitsmaßnahmen austrickse.

Der Geburtstag des Hafens

Nun erzählte Herr Strupp über den Hafengeburtsag. Ist dies wirklich ein Fest der Stadt für seine Bewohner und Besucher oder nur eine Marketingstrategie? Wie viel hat das Ganze mit dem Hafen wirklich zu tun und ist es nicht nur Rummel? Dazu rollte der Redner die Geschichte und Vorgeschichte des Festes auf – wie entstand dieses Fest, woher kommt das Datum, was passiert und passierte in diesen Jahren seit 1977 (da gab es den ersten offiziell gefeierten Hafengeburtstag)?

Hafenklang

Die letzte Rednerin, Frau Wildner, referierte über ein besonders spannendes Thema. Wir wandten uns von all den Betrachtungen des Hafens ab und hörten mal genauer hin. Sie sprach über das sogenannte Soundscaping – in dem man eine Landschaft mit dem Gehört erkundet – und brachte Hörproben aus dem Hamburger Hafen mit. Für ein paar Minuten waren dir Zuhörer mitten in den Hafen versetzt und lauschten seinen Klängen, dem Schleifen von Metall an Metall, den Möwen und den schweren Dieselmotoren. Besonders amüsant und interessant wurde es, als sich einer der Anwesenden meldete und in breitem Hamburger Schnack erzählte er habe sein Leben lang auf dem Hafen gearbeitet und man solle doch bitte nicht mit Kopfhörern und Mikro in den Hafen gehen, das wäre lebensgefährlich, wenn etwas herunterfiele, und er wolle keine Toten sehen.

Alles in allem war es also ein sehr informativer, spannender und unterhaltsamer Tag aus dem man ein Stückchen mehr mit Hafen in sich gegangen ist.

Marvin Müller

 


 

Wer will seine Umgebung hören?

Man schaut sich um und hat das Gefühl jeder trägt Kopfhörer. Das Straßenbild einer Großstadt wie Hamburg wird zunehmend dominiert von Individuen, die sich entweder sichtlich voneinander abgrenzen, oder aufgrund des städtischen Gewusels durch ihre eigene Musik etwas Entspannung finden wollen.

Prof. Dr. Kathrin Wildner setzt mit ihrem Vortrag „Harbour Soundscape – Forschungen zu Stadt und Hafen“ auf dem diesjährigen Hafenkongress das Augenmerk auf genau das Gegenteilige: Was sagen Klänge einer Großstadt und am Hafen aus über die Stadt und ihre Bewohner? Hört da jemand hin und gibt es da überhaupt etwas zu hören?

Eine andere „hörbare“ Welt

Die Soundforschung befasst sich unter anderem genau mit diesen Fragen und fungiert neben anderen Verfahren als qualitative Methode, urbanen Raum zu erfassen und wahrzunehmen. Die Vielfalt an Klängen und die diversen Geräuschkulissen werden einem erst bewusst, als Frau Wildner Soundaufnahmen von den Landungsbrücken und vom Kreuzfahrtterminal der Hafencity abspielt. Man hört bewusst hin und das einheitlich dumpf brummende Geräuschwirrwarr kann plötzlich einzelnen Klängen zugeordnet werden: Schiffsmotoren, Wassergeplätscher, Türenquietschen, Möwengeschrei, Metallketten und entfernte Stimmen sind in den Sounds der städtischen Hafenatmosphäre zu hören.

Und genau das ist ja so beeindruckend: Eigentlich gibt es um uns herum so viel an diversen Klängen und Geräuschen, die die Schönheit und den Flair der Stadt und des Hafens mit ausmachen. Doch warum wird dies im Alltag kaum wahrgenommen oder sogar absichtlich mit der eigenen Musik verhindert?

Hinhören statt abgrenzen

Wahrscheinlich ist der Stadtmensch so von der relativ dauerhaft hohen Geräuschbeschallung seiner Umwelt belastet, dass er manchmal lieber einzelne gefilterte Geräusche wahrnehmen möchte: seine eigene Musik. Doch wenn man ehrlich ist, würde es oft auch reichen, mal die Augen zu schließen, als eine andere Art „Reizüberflutungsstopp“, und so den vielfältigen und manchmal völlig untergehenden Geräuschen zu lauschen, die Hamburg und seinen Hafen so besonders machen. Mit Sicherheit wird der ein oder andere überrascht sein, wie entspannend auch dies sein kann und wie viel mehr man über die eigene Umwelt, in der man lebt, allein durch das auditive Erleben erfahren kann.

Rosa Gavillet

 


 

28.05 – 18:30 – Hafen-Diskurs 3 – designexport

Hafenarchitekten und Theater? Was hat das miteinander zu tun?

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Foto: Diane Hagemann

Im Rahmen des aufregenden und wunderbaren Festivals „Theater der Welt“ findet direkt in der Hamburger HafenCity ein Kongress mit informativen und Diskussionsstoff liefernden Vorträgen von erfahrenen Professoren aus den Bereichen Architektur, Wasserbau und Ethnologie statt. Am frühen Abend, unmittelbar vor der Theateraufführung CHILDREN OF GODS, stellen die Wissenschaftler aus diesen unterschiedlichen Disziplinen ihre Forschungen zu Hafen/Wasser kurzgefasst vor. Referiert wird über das Ländliche in der Stadt, Hamburg und der Hafen im Klimawandel, Geräusche am Hafen und die Touristenfalle Hafengeburtstag.

Aber was in aller Welt hat Urbanisierung, Hochwasserschutz und der Hafengeburtstag denn nun mit Theater zu tun?

Frau Prof. Dipl. Ing. Sörensen spricht über „common grounds entlang des Hafens“. Sie steht für das Ländliche in der Stadt und referiert über Urbanisierung und Gestaltung der Landschaft. Ihr Herz schlägt für die Ländlichkeit. Sie stellt anhand Flächennutzungsplänen die Verdrängung des Grünen und die Verdichtung des Grauen vor. Zusätzlich erhält man durch atemberaubendes Bildmaterial wunderbare Einblicke in Deichgebiete und Hafendynamik.

Prof. Dr.-Ing. Fröhle stellt Gefahren durch und Wege des Überflutungsrisiko(s) vor. Er präsentiert drei Ursachen für Hochwasserstände in Hamburg. Abschließender Lösungsvorschlag: „Auf Dauer Begrenzung des einfließenden Wassers“. Im Kontext des allgemeinen Klimawandels sind praktikable Wege für diesen Lösungsansatz recht schwer nachzuvollziehen, aber auch er präsentiert Phänomene mit denen jeder Hamburger konfrontiert ist. Und lässt Erinnerungen an die jährliche Überflutung des Gebietes um die Fischmarktauktionshalle wach werden.

Dr. Strupp mit seinem Vortrag zum „Hafengeburtstag seit 1977“ rückt den Hamburger Hafen als wichtigsten deutschen Hafen in den Fokus. Durch Historie und Kritik am Konzept des Hafengeburtstages werden die wirklich zu feiernden Impulse des Hafens wieder in den Vordergrund gerückt.

Prof. Dr. Wildner referiert über den stadtethnologischen Kontext des Hafens. Unter dem Titel „Habour Soundscape“ stellt sie ihre Forschungen zu Stadt und Hafen vor. Man fragt sich zwar im Laufe des Vortrages, ob die Dame wirklich mit sogenannten „Soundwalks“ ihre Brötchen verdient, doch lassen einen ihre Tonaufnahmen vom Hamburger Hafen noch tiefer in ein Gefühl von Heimat und Meer eintauchen. Das Geräusch von Möwenschreien, aneinander reibendes schweres Metall von Schiffen und Containern und der Wind öffnen einem das Herz für den Hamburger Stadthafen.

 „Vom Unort zum Ort“

Die Location „Hamburger Hafen“ hat etwas Beiläufiges an sich. Er „passiert“ nebenbei. Er ist am Rande. Er ist zufällig. BIS JETZT!

Durch diesen Kongress, durch diese Diskussionen, durch diese Umgebung wird man in den Kontext des Theaters, in den Kontext Hafen eingeführt. Durch das Ansprechen der menschlichen Sinne mit Bildmaterial, Umgebung und selbst Tonaufnahmen vom Hafen entsteht ein maritimes Gefühl in einem selbst. Man wird selbst Teil des Hafens. Der Kongress hilft dabei, sich in dem Raum, in welchem das Theater stattfindet, zu verorten und dabei die verschiedenen Schichten wahrzunehmen die unser „Tor zur Welt“ zu bieten hat. Erst die Diskussion über Urbanisierung, Hochwasserschutz und den Hafengeburtstag löst eine Grundeinstellung und Position aus, welche es möglich macht, die folgende Aufführung mit allen Sinnen wahrzunehmen und aufzunehmen.

Diane Hagemann

 


 

Seminar: HafenSzenen unter der Leitung von Prof. Dr. Ortrud Gutjahr

Auf ein Neues!

Die Sektion drei des Hamburger Hafenkongresses beginnt in wenigen Minuten. Der Veranstaltungsplan changiert, wie schon die vorherigen zwei Tage, zwischen Vorträgen zum Hamburger Hafen aus dem Ingenieurwesen, den Geisteswissenschaften oder auch den Kulturwissenschaften. Der heutige Veranstaltungsort ist der designxport, Hongkong-strasse 8. Diese Räumlichkeit gefällt mir auf Anhieb besonders gut, denn sie gilt als das „Schaufenster“ für in Hamburg gestaltete und produzierte Fairfashion.

Ich bin als Hamburger zum ersten Mal mit der Linie U4 gefahren, denn von der Station Überseequartier ist es nur ein Katzensprung bis zum designxport. Die Haltestelle wirkt wie ein überdimensionales, auf Hochglanz poliertes Monstrum. Ich fühle mich in dieser sterilen Umgebung mit leuchtenden von der Decke hängenden Würfeln nicht wohl. Am befremdlichsten wirkt aber die bloße Anzahl von nicht mehr als 20 Menschen, die mit mir durch den futuristischen Tunnel schlendern, um im Anschluss den mächtigen Treppenaufstieg direkt in die HafenCity zu wagen. Oben angekommen, weiß ich nicht so genau, wo ich gelandet bin. Ich sehe nur vereinzelt ein paar Menschen, aber von dem Anziehungspunkt HafenCity kann ich beim besten Willen nichts erkennen. Naja, vielleicht liegt es auch daran, dass Sonntag ist und die Menschen lieber an der Alster oder im Stadtpark flanieren, anstatt zwischen betonbetonter Umgebung.

Nun aber zurück zum Hafenkongress. Ich erfahre, dass der alljährliche Hafengeburtstag im Mai ein Überbleibsel mit seiner Historie aus der nationalsozialistischen Zeit sein soll. Die braune Truppe unter Hitler hatte schon, das Flair des Hafens für sich entdeckt und feierte am 7. Mai 1939 den Hansetag. Mich verwundert es nicht, mit welchen Begriffen der Referent diesen Hansetag in Verbindung bringt. Kommerz und Außenwerbung standen wohl seit jeher eng mit dem Hamburger Hafen und seiner nach außen hin gerichteten Repräsentation zusammen. Für mich heißt das nichts anderes, als eine voranschreitende Popularisierung, die mit dem historisch maritimen Hafen und seinen Geschichten nicht mehr viel Gemeinsamkeiten aufzuweisen hat. Mit zunehmender Vortragsdauer kristallisiert sich heraus, dass sich Politik und Wirtschaft mit Beginn des Hafengeburtstags 1977 die Klinke in die Hand geben und dass es niemals anders gewesen zu sein scheint. Da ich kein Kind von solch überdimensionalen Veranstaltungen bin — 1989 wurden gut 3.000.000 Besucher gesichtet, in diesem Jahr feierte man sein 800-jähriges Bestehen — schaue ich mir das bunte Treiben, wenn überhaupt vom Park Fiction aus an und genieße dabei den herrlichen Ausblick über den Hafen.

Hassan Elayan

 


 

Hafenkongress III
Hafengeburtstag – mehr als nur ein kommerzielles Stadtfest?  

„Geh da auf gar keinen Fall hin, das ist furchtbar!“ „Da ist nichts weiter als ein Fresstand neben dem anderen!“. Aussagen wie diese habe ich zu Haufe von meinen Hamburger Freunden gehört, ging es um den Besuch des Hafengeburtstages. Grund genug für mich als zugezogene Neuhamburgerin mich bis zu diesem Jahr vom Hamburger Hafengeburtstag fernzuhalten. Doch einmal da gewesen sein, muss man doch irgendwie schon, denke ich mir und entscheide mich dieses Jahr, mit einigen relativ unwilligen Freunden, die ich erst nach intensiver Überredungsarbeit dazu bewegen kann mitzukommen, dem Hafengeburtstag einen Besuch abzustatten. Gleich nach dem Feuerwerk wollen wir hin, denn vor und während des Feuerwerks kann ich wirklich keinen meiner Freunde dazu bewegen, sich auch nur in die Nähe des Hafengeburtstags zu begeben – viel zu voll, so ihr Argument. Schon auf dem Weg in Richtung Hafen strömen uns zahlreiche, in der Mehrheit stark betrunkene Menschenmassen entgegen. Na, das kann ja was werden. Angekommen am Park Fiction, wo der alternative Hafengeburtstag stattfindet, werden wir schon von zahlreichen privaten Bierverkäufern in Beschlag genommen: „Bier nur zwei Euro, nur zwei Euro!“ Ich will aber gar kein Bier. Auch der alternative Geburtstag ist bis über beide Ohren im kommerziellen Interesse eingebettet, zumindest zu dieser späten Uhrzeit. Bis wir uns zum Gelände durchgekämpft haben, dauert es geschlagene zehn Minuten. Erstmal durchatmen. Von hier hat man einen guten Blick über das ganze Spektakel: Essens -und Getränkestände soweit das Auge reicht. Ein Riesenrad und einige angeleuchteten Schiffe, die im Hafen liegen. Bunte Lichter, laute Musik und Menschenmassen, die wie von Geisterhand gesteuert an den Buden vorbeiziehen. Man kann sich gar nicht entscheiden, wo man zuerst hingucken soll. Völlige Reizüberflutung. Von der Sehnsucht nach hanseatischem Zusammenhalt, welche zumindest einer der vorgeschobenen Gründe für die Entstehung des Hafengeburtstages sein soll, ist nichts mehr zu sehen. Das Wissen darum, dass das Kommerzielle und die Außenwirkung von Beginn des Hafengeburtstages im Jahr 1977 im Fokus standen, rückt meinen ersten Hafengeburtstag im Nachhinein in ein noch schlechteres Licht. Aber wenn wir schon einmal da sind, dann sollte man sich zumindest versuchsweise ins Getümmel begeben – so meine rückblickend völlig falsche Annahme. Also drängeln wir uns an Bierständen und Würstchenbuden vorbei, an betrunkenen, grölenden Gruppen von Halbstarken. Bloß nicht meine Freunde verlieren! Das ist eigentlich mein einziger Gedanke. Gar nicht mal so einfach. Nach einer geschlagenen Stunde vergebenen Suchens nach einer entspannteren Stelle, gebe ich es auf: „Leute, also wenn es nach mir geht, können wir wieder los!“ Das lassen sich meine Freunde nicht zweimal sagen und wir eilen, soweit es das Gedrängel zulässt, in die nächstbeste Seitenstraße, um von da aus den weiteren Abend zu planen. Ab jetzt werde ich Teil der „Geh da auf gar keinen Fall hin, das ist furchtbar!“- Sager sein. Und ich komme zu dem Ergebnis, dass der Hafengeburtstag tatsächlich nichts weiter als ein kommerzielles Stadtfest ist.

Luca Staschewski

 


 

Hafenmusik – mehr als Hans Albers

Ich studiere Systematische Musikwissenschaft. Nein, ich studiere nicht Musik und auch nicht Komposition. Mich interessiert weniger Mozarts Lebensgeschichte als die Frage, ob Mozart hören wirklich schlau macht, nicht, wo er gespielt hat, aber durchaus, wie Räume und Instrumente beschaffen sein müssen, damit seine Musik auch heute noch gut in ihnen klingt und warum das so ist. Wenn es darum geht herauszufinden, warum manche Menschen Mozart mögen und andere nicht, ob Musik wirklich die Sprache der Gefühle ist und wie man in anderen (Sub-)Kulturen mit Musik umgeht, bin ich dabei. Sie sehen also: SysMuWis, wie man uns nennt, sind nicht gerade Omas Lieblinge – wir sind eher die Freaks. Dementsprechend kann ich gar nicht anders, als hellhörig zu werden, wenn jemand vom Sound des Hafens oder von einer Symphonie erzählt, bei der die ganze Stadt und besonders der Hafen mitspielt. Können Sie sich das vorstellen? Ein Konzert, das mit Harmonien von Bootshupen beginnt – nein, nicht aufgenommen und zusammengemixt! Live! Mit einem Dirigenten auf einem Türmchen in der Stadt, der wollte, dass alle Menschen in der Stadt mitmusizieren. Abgefahren, oder? Zu freakig? Okay, dann gehen wir einen Schritt zurück. Apropos Schritt: Haben Sie schon einmal was von Soundwalking gehört? Im Prinzip machen wir das alle jeden Tag, aber es brauchte erst Muray Schafer, (ja, der von Die Gabe der Kinder), um den Begriff zu etablieren. Wir alle sind jeden Tag von Unmengen von Schall umgeben. Wenn Sie jetzt in diesem Moment die Augen zu machen und ein paar Minuten ganz still sind, wird Ihnen vielleicht bewusst, dass sie sich in einer Geräuschlandschaft, also einem Soundscape, befinden. Es ist nie still. Auch nicht nachts. Auch nicht im Wald und auch nicht in den Bergen. Haben Sie sich mal Gedanken darüber gemacht, was diese Dauerbeschallung mit Ihnen macht? Wenn Sie nicht glauben, dass sie überhaupt was mit Ihnen macht, liegen Sie weit daneben. Sonst gäbe es ja keine Firmen, die nichts anderes tun, als Beschallung für Supermärkte, Hotels und Restaurants zu schreiben und zu verkaufen, weil es die Menschen beeinflusst. Das Ganze geht tatsächlich so weit, dass die Stadt öffentliche Flächen beschallt, weil sie sich einen Effekt verspricht. Das beste Beispiel dafür sind der Hamburger Hauptbahnhof und vielleicht demnächst auch die Landungsbrücken. Welchen Effekt man sich aufgrund welcher wissenschaftlichen Basis verspricht, möchten die Verantwortlichen aber nicht so gerne preisgeben. Vom Ansatz, Soundscapes zu verwenden, um etwas darüber herauszufinden, wie die Menschen Flächen nutzen, hatte ich aber auch noch nichts gehört, bis Prof. Dr. Wildner beim Hafenkongress davon erzählt hat. Was meine Geräuschkulisse über mich aussagt, habe ich mich noch gar nicht gefragt. Was ist, machen wir einen akustischen Spaziergang durch die Stadt? Vorsicht, Sie könnten sich selbst finden…!

Katrin Friese GutjahrKatrin Friese (26): Studentin (Musikwissenschaft/Theaterwissenschaft), Eventmanagerin, Bühnenmensch

 

 


 

Hafenkongress Teil 3

Ich bin dieses Jahr beim Hafengeburtstag gewesen: Ich steige mit Freunden an den Landungsbrücken aus und wir drängen uns an den Menschenmassen vorbei. Man könnte fast meinen ganz Hamburg habe sich an diesem schönen sommerlichen Tag hier versammelt. Meine Mitbewohnerin sagt noch zu mir, bevor ich losgehe: Willst du dir das wirklich heute antun? Es wird bestimmt total voll. Aber ich lasse mich überraschen und gehe mit. Und als ich da bin erinnert mich das Ganze vor allem an eine Kirmes. Nur ohne Fahrgeschäfte. Im Vorbeischlendern an unzähligen Essens- und Getränkeständen überwältigt mich eine Flut an verschiedenen Sprachen. Ich höre ein Pärchen, das sich auf Niederländisch unterhält und an uns vorbei läuft. Immer wieder schnappe ich auch englische Sprachfetzen auf. Ob dies allerdings wirklich am Hafengeburtstag liegt oder eher damit zusammenhängt, dass wir uns in einer Großstadt befinden, lasse ich an dieser Stelle offen.

Fakt ist, dass sich der Hafengeburtstag auf den 7. Mai 1189 zurückführen lässt, an dem Hamburg die Hafenrechte erteilt wurden. Richtig gefeiert wird erst seit 1977. Doch diese Feier ist nicht maritim und nicht historisch. Sie stellt den Massentourismus in den Vordergrund. Aus diesem Grund sind viele Hamburger auch nicht begeistert von dem Fest.

Der Beitrag von Dr. Christoph Strupp beim Hafenkongress hat mich den Hafengeburtstag überdenken lassen. Denn was steht wirklich im Vordergrund: Der Hafen oder das Spektakel?

Natürlich soll das jährlich stattfindende viele Menschen anziehen. Aber sollte dies wirklich der einzige Ansporn bleiben, oder vielmehr auch wieder die Mentalität im Vordergrund stehen, die Liebe zum Hafen und seiner Geschichte?

Das nächste Mal, wenn ich zum Hafengeburtstag gehe werde ich daran denken und bewusster darauf achten, wo sich Geschichte noch finden lässt. Manchmal muss man vielleicht nur genauer hinsehen.

Eines habe ich dieses Semester und in den verschiedenen Sektionen des Hafenkongresses bereits verinnerlicht: Der Hafen ist Ausdruck der Stadt, den diese zur Selbstdarstellung braucht. Er prägt die Mentalität in Hamburg. Dies sollte immer im Gedächtnis bleiben, denn in der Zeit der Containerhäfen nimmt der Flair immer weiter ab.

Ereignisse wie der Hafengeburtstag ziehen die Masse an. Eine heterogene Masse. Vielleicht könnte man versuchen diese Masse nicht nur durch Essen, ein paar bunte Stände oder ein Feuerwerk zu begeistern, sondern mehr auf die Geschichte eingehen und diese hervorheben. Ich persönlich hätte das interessant gefunden und ich glaube auch viele andere Menschen.

Als ich am Abend nach Hause komme, hatte ich dennoch einen schönen Tag. Ich war mit Freunden unterwegs, habe viel und lecker gegessen und mich amüsiert. Und das leistet der Hafengeburtstag mit seinen vielen Ständen direkt am Wasser: Die Kulisse sich mit anderen zusammenzufinden und Zeit zu verbringen, in der man die Seele baumeln lassen kann, ohne den Anlass zu hinterfragen.

Julia Beller

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