Stimmen aus der Universität Hamburg – Internationales KurzFilmFestival

Seminar: HafenSzenen unter der Leitung von Prof. Dr. Ortrud Gutjahr

Katzenkanne, Kräne, Kino, Knochenmühle, Kuddel, Computer

„Damals zwischen Elbe und Reeperbahn“, so lautet die Überschrift des heutigen Abends. „60 Jahre Hafen werden aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet“, heißt es weiter auf der Homepage des Theaters der Welt (http://www.theaterderwelt.de/de/specials/#5733). In diesem Fall jedoch nicht auf der Bühne, sondern auf der Leinwand. Unter dem Titel „Global meets local“ beteiligt sich auch das Internationale KurzFilmFestival Hamburg am Theater der Welt und das – natürlich – mit Kurzfilmen. Kurzfilme, die das Thema Hafen behandeln. Ich bin gespannt. Bevor es aber heißt: „Film ab!“, gibt Sven Schwarz, der Leiter des KurzFilmFestivals, dem Publikum jeweils in wenigen Sätzen einige Eckdaten zu den Werken. Kurz und knapp, aber sehr aussagekräftig und spannend, erledigt er diese Aufgabe. Ausschweifende Reden hätten auch gar nicht zu Kurzfilmen gepasst, finde ich. Dann beginnt der erste Kurzfilm.

Katzenkanne
Nein, weder heißt der Film so, noch handelt er von einer solchen. Aber sie fällt mir sofort ins Auge. Wir befinden uns im Jahr 1955 und begleiten den Hamburger Hafenarbeiter Nummer 1096 durch seinen Tag. Seine Frau, der vom Arzt viel Ruhe und darum auch viel Schlaf verschrieben wurde und die dennoch früh mit ihm aufsteht, weil sie nicht glaubt, dass ihr Mann allein mit dem Frühstück klarkommt, schenkt ihm aus eben dieser Katzenkanne Kaffee ein. Und es ist wirklich eine Katzenkanne; nämlich eine Kanne in Form einer Katze. Mag sein, dass einige von Ihnen jetzt denken: „Was soll die Aufregung? So eine hatte ich auch mal, oder meine Eltern oder die Großeltern.“, aber ich habe so etwas vorher noch nicht gesehen und bin begeistert.

Kräne
In Wolf Harts Kurzfilm „Hafenrhythmus“ aus dem Jahr 1960 begleiten wir nun nicht mehr einen einzelnen Hafenarbeiter, sondern bekommen Eindrücke aus dem gesamten Hafenalltag. Menschen, auf dem Weg zur Arbeit. Barkassen. Waren. Schiffe. Kräne. Arbeitende Menschen. Stillstand. Pause. Noch mehr Waren. Arbeit. Heimweg. In kurzen Schnittfolgen wird der Rhythmus des Hamburger Hafens präsentiert, alles unterlegt von einer experimentell anmutenden Tonspur. Verrückt wie anders heute alles aussieht, sogar die Menschen, finde ich. Sie haben anders geschnittene Gesichter, andere Gesichtszüge, eine andere Statur und Körperhaltung. Allerdings wie genau sie sich unterscheiden, das fällt mir schwer in Worte zu fassen. Vielleicht ist dem auch gar nicht so, sondern es handelt sich vielmehr um einen Effekt von Filmen und Fotos in Schwarz-weiß.

Kino
Werner Grassmann drehte 1954 den Kurzfilm „Ware unterwegs“. Er ist als Vorfilm für die Kinosäle gedacht, doch am Ende will ihn kein Kino zeigen. Grassmann aber möchte sein Werk präsentieren und so gründet er kurzentschlossen sein eigenes Kino (heute betreibt er übrigens das Abaton). Ein Parkhaus, ein Laken als Leinwand, Plastikgartenstühle – so sah das am Anfang aus. Ziemlich beeindruckend, was daraus dann entstanden ist und der Film aus dem das Kino gewissermaßen hervorging ist außerdem auch noch ausgesprochen amüsant.

Knochenmühle
Keine Angst, hier geht es nicht etwa um mittelalterliche Foltermethoden oder merkwürdige Rituale. Nein, nein. Die Knochenmühle, damit ist die Werft Blohm&Voss gemeint, die in diesem 1977 von der DKP Hamburg produzierten Kurzfilm, ihr kapitalistisch-faschistisches Fett wegbekommt. Dabei stolpert einer der Sprecher so dermaßen heftig über den spitzen Stein, dass es schon ansteckend ist.

Kuddel
Noch einmal begleiten wir einen Hafenarbeiter durch seinen Tag im Hamburger Hafen. Dieser aber hat keine Nummer, sondern einen Namen, dafür jedoch weder eine Frau, noch eine Katzenkanne. Vielleicht stört das Kuddel aber nicht so besonders. Ja, dem Sprecher zufolge scheint es sich bei Kuddel sowieso um einen die meiste Zeit grundzufriedenen Seemannn zu handeln, der sein Hamburg und vor allem seinen Hafen über alles liebt. Sehr nostalgisch-romantisch, aber ist da nicht auch ein Hauch Selbstironie?

Computer
Oho, der oder dem aufmerksamen Lesenden fällt auf, dass dieser letzte Kurzfilm zwar ebenfalls eine Überschrift besitzt, die gewissermaßen mit dem K-Laut beginnt, das Schriftbild  sich aber klar unterscheidet. Zufall? Absicht? Nachdem die vorigen Filme allesamt einen Hamburger Hafen der Vergangenheit zeigten, präsentiert dieser nun einen modernen, heutigen Hafen – allerdings nicht den aus Hamburg. Warum nicht? Nun, Jörg Wagner, der 2009 diesen Kurzfilm produzierte, bekam schlichtweg keine Dreherlaubnis/Drehgenehmigung von der Hamburg Port Authority. Also dann: Bremerhaven. Wahrscheinlich wäre es dem Publikum gar nicht aufgefallen – bis auf die Szenen, in denen man die Nordsee erkennt. Nee, so breit ist die Elbe dann doch nicht. Mit seinem Kurzfilm zeigt uns Wagner den vollautomatisierten, hochtechnischen Hafenbetrieb. 90 Prozent des Films kein einziger Mensch. Maschinen. Container. Container. Container. Das ist ein ganz anderer Hafen. Das ist der neue Hafen.

Birte lebt und studiert seit einigen Monaten in Hamburg.

 


 

„Damals zwischen Elbe und Reeperbahn Internationales KurzFilmFestival“
Von Bananen und der richtigen Aussprache von st und sp

Mittwochabend, Hafencity, Wetter immer noch super, wenn auch mit steifer Brise. Ich sitze im großen Saal des Körber Forums, jeder einzelne Sitzplatz belegt, einige Besucher müssen stehen. Himmel sei Dank, dass ich die Karte bereits vor zwei Wochen reserviert habe! Heute werden sechs Kurzfilme der Hamburger Hafengeschichte gezeigt, die die Mitarbeiter des Internationalen KurzFilmFestivals aus den Archiven der Stadt sowie dem Hamburger Film- und Fernsehmuseum hervorgekramt und in mühseliger Arbeit für uns aufbereitet haben. Meine Vorfreude wird kurz getrübt, als uns zunächst Werbung angekündigt wird – Ach nö! Bitte nicht! – Was wir dann aber zu sehen bekommen, ist eine Werbung aus den 60-ern – oder auch 70-ern, auf jeden Fall schon in Farbe und einige Jahre alt. Beworben wird die Banane. Richtig gehört; die Banane! „Die Frucht mit dem Reißverschluss“. Was das mit Hafen zu tun hat? Nun, der Spot wurde am Hafen (Landungsbrücken? Studio?) gedreht. Zu sehen: ein Kapitän auf seinem Boot, vier Kinder auf dem Steg und alle besingen die Banane: „Heute, da ist Bananentag, weil ich Bananen mag!“. Wunderbarer Spot! Warum machen sie sowas heute nicht mehr? Die Banane spielt auch in den nachfolgenden Kurzfilmen der 50-er und 70-er Jahre immer wieder eine Rolle: Sie ist zu sehen in den hölzernen Ladekisten am Hafen, wird mit Kränen aus den Schiffen gehievt, dient den Hafenarbeitern als Mittagessen, wird auch mal an die Zugpferde verfüttert oder dem Besucher des Fischmarktes vom Marktschreier in den Mund gestopft. Bananen – überall Bananen. Bis auf den letzten Kurzfilm „Terminal“ natürlich, da sehen wir nur Container. Ob da immer noch Bananen drin sind? Wer weiß das schon. Der Film wird übrigens am Sonntag noch einmal gezeigt. Achtet doch dann mal darauf, ob einer der Container aussieht wie ein Bananencontainer! Was aber überhaupt nicht Banane ist und ganz entscheidend den hanseatischen Flair der gezeigten Bilder unterstützt, sind die Erzähler, die feinstes Hamburger Platt sprechen. Wie schön! Habe ich lange nicht mehr gehört! Und für Euch Nicht-Hamburger nun Folgendes: In Hamburch wird die Buchstabenkombination „ST“ und „SP“ wie im Englischen ausgesprochen. Also erst ein scharfes S und dann T oder P. Wie „Stuntman“ oder „Spiderman“. Versucht die mal „hochdeutsch“ auszusprechen: „Schtantmän“ und „Schpaidermän“ – hört sich doch bekloppt an, oder? Die plietschen Hamburger wussten eben schon immer wie es richtig geht!

So, nu Sluss för hüüt! Wieter gaht dat an Sünndag op‘n Schipp MS Stubnitz, Klock söss un Klock acht: HAFENRHYTMUS AT NIGHT.

Katharina – Hamburger Deern

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