Zirkus Dalli Dalli

Peter Jordan und Leonhard Koppelmann machen Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ zu einer irrwitzig-rasanten Musik-Revue mit viel Witz und aktuellem Zeitbezug.

„Hereinspaziert, hereinspaziert! Menschen, Länder, Sensationen!“ das Gastspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses stellt von vorne herein klar, dass jetzt keine reguläre Theatervorstellung beginnt. Es wird ein Spektakel! Peter Jordan und Leonhard Koppelmann inszenieren mit „In 80 Tagen um die Welt“ ein Fest für Theaterfreunde. Das ergibt eine bunte Mischung aus fulminanter Zirkusvorstellung, Musical, beißendem Kabarett und Nummernrevue – als Spielstätte gäbe es wohl keinen geeigneteren Ort, als das Theaterzelt auf dem Baakenhöft. Die runde Bühne, die dem Ensemble bereits aus Düsseldorf vertraut ist, wird im Laufe des Abends all ihre Möglichkeiten samt transparentem Vorhang und rundem Laufsteg ausschöpfen können.

Eine Reise durch die Klischees

Das Stück führt den britischen Wissenschaftler Phileas Foggs und seinen Diener Passepartout mit der liebestollen Droidenfrau Molly in einem bunten Reigen durch unsere moderne Welt, der -das verlangt schon die literarische Vorlage- ein rasantes Tempo aufnimmt. Dabei greift es tief in die randvolle Klischeekiste: Von den ordnungsliebenden Deutschen, geht es über bestechliche Beamten auf dem Balkan bis hin zur Witwenverbrennung in Indien. Verknüpft wird das Ganze mit aktuellen tagespolitische Themen: Hier ein bisschen Wahlen in den USA dort ein paar Raketentests in Nordkorea. Mit an Bord, Auto oder Rakete ist immer auch ein zotiger Spruch. Klamauk und Slapstick kommen keinesfalls zu kurz und steigern sich, gerne gepaart mit political Incorrectness, zum Teil bis an die Grenzen des Verkraftbaren.

Die Lust am Spiel

Trotzdem. Was mitreißt, ist die unbändige Lust der sieben Schauspieler am hemmungslosen Spiel. Es wird gesungen, getanzt und gezotet was das Zeug hält. In den musikalischen Nummern und dem fliegender Rollenwechsel der Charaktere, zeigt sich eine wahre Freude am temporeichen Showbusiness. Fehlende Requisiten und angedeutete Kostüme werden sich ideenreich und voller Charme einfach erspielt.

Für die klangliche Atmosphäre sorgt die Live-Band unter der musikalischen Leitung von Peter Mages. Sie setzt nicht nur die Shownummern um, sondern intoniert auch Unterwasserwelten genauso gekonnt, wie die Truckfahrt mit einem Hillbilly durch die USA. In schönster Hörspielmanier wird dann auch das Schauspiel illustriert, wobei von Percussions bis zu einer singende Säge alles dabei ist.

Statt eines üppigen Bühnenbildes projiziert ein Beamer Collagen mit Bild- und Videomaterial aus verschiedenen Jahrhunderten auf die Bühne. Das bietet Möglichkeit für viele Verweise auf die Filmgeschichte, Popkultur. Sowieso steckt die Inszenierung voller spielerischer Intertextualität, die ihren Höhepunkt schließlich im Bauch eines Wales findet. Dann nämlich, wenn die Reisenden im Bauch des Moby Dick -von allen liebevoll „Dickie“ genannt- nicht nur auf Jona und Pinocchio, sondern auch auf den Meeresforscher Jacques Cousteau treffen. Dem Zuschauer, der sich gerne auf solche Referenzen einlässt, verschafft die Reise des Fogg viel Freude.

In 80 Tagen um die Welt zeigt, dass auf der Bühne alles möglich ist. Auch wenn einem bei manch allzu vorhersehbarem Gag die Ohren schlackern, ist das Gesamtpaket vor allem eines: richtig gute Unterhaltung.

 

Sarah Steinberg, geboren 1986, arbeitet nach einem Studium der Literatur- und Medienwissenschaften als Lektorin und Hörbuchregisseurin in Hamburg. Heute ist sie als Redakteurin tätig und schreibt in der Hansestadt für verschiedene Kulturblogs.

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