Silmandé

Von Mona Li

Silmandé – von und mit dem Performance Ensemble Hajusom, dem Streicher-Ensemble Resonanz und dem Sound Artist Viktor Marek ist keine gewöhnliche Performance. Auf der Bühne sammeln sich laute Bässe, Operngesang, Rap, Orientalische Melodien, klassische Musik sowie Schreie- und das alles gleichzeitig.

Ich kann die vielen verschiedenen und intensiven Geräusche keinem Ursprung zuordnen. Nicht nötig, denn mich fesselt das Zusammenspiel der disharmonischen Klänge. Durch den Nebel und das grelle Scheinwerferlicht bin ich in eine andere Welt befördert.

Ich beobachte das ekstatische Fest auf der Bühne und denke über die Worte der einzelnen Schauspieler nach. Jedes Mitglied von Hajusom bringt ein Stück persönliche Geschichte in die Inszenierung. Dergestalt, dass ich mir wünsche, dass die eine oder andere Geschichte nicht wahr ist. Doch die Gruppe positioniert sich auch deutlich gegen die Verursacher ihrer einzelnen Schicksalsschläge. Gemeinsam kritisieren sie Machthaber wie Investoren, Broker und die Ölindustrie.

„If we don’t see a problem – there is no problem“ – Klar und deutlich übersetzt Hajusom vermeintliche Beschwichtigungen des politischen Lobbyismus.

Dabei versteht sich das Stück nicht als bühnentaugliche Verbildlichung des erhobenen Zeigefingers. Die Schauspieler nutzen diverse künstlerische Mittel der Performance und lassen dabei keinen Moment der Ernüchterung zu. Die Geräuschkulisse von den Resonanz Musikern ist perfekt in das Stück eingeflochten. Die Musiker kommen mit ihren Streichinstrumenten runter auf die Bühne zwischen die Schauspieler und sind Teil der Performance. Die Sängerin erinnert mich an den Gesang von CocoRosie. Leicht lethargisch, voller Gefühl und wie eine sanfte Sirene.

Silmandé_Mona Li
Foto: Mona Li.

Ich möchte mehr über diese hervorragende Darbietung wissen und spreche mit Hajusom Mitglied Dennis:

Worum geht es in dem Stück Silmandé?
Silmandé ist Mòoré (in Burkina Faso gesprochene Sprache) und bedeutet Wirbelsturm.

Es geht um die Zukunft, um posthumanistische Erlebnisse. Wir haben uns mit aktuellen Ereignissen, wie z.B. dem Klimaschutz aber auch mit der Ausbeutung afrikanischer Staaten beschäftigt.

Wie habt ihr zu diesem Thema gearbeitet?
Ich freue mich immer darüber, wenn ich gefragt werde, wie wir arbeiten. Wir proben freitags von 17 bis 21 Uhr. Das ist Hajusom Zeit.

Wir entwickeln unsere Stücke gemeinsam. Gemeinsames Brainstorming, gemeinsames Improvisieren. Die Regisseurin hält unsere Ergebnisse in einem Drehbuch fest. Wir bekommen es dann ausgehändigt, sprechen darüber und geben es zurück in die Hände der Regie. Dadurch verändert sich das Stück ständig. Manchmal sogar noch am Tag der Premiere.

Das Stück beschäftigt sich kritisch mit aktuellen Geschehnissen. Gibt es ein Thema, das du unbedingt im Stück unterbringen wolltest?
Ich habe im Stück verschiedene Figuren gespielt. Eine war mir besonders wichtig: der Widerstandskämpfer.

Was macht Hajusom zu so einer besonderen Gruppe?
Früher waren bei Hajusom viele Geflüchtete. Jetzt sind wir Menschen mit Migrationshintergrund. Wir kooperieren viel mit internationalen Gruppen. Bei der jetzigen Performance sind deshalb auch einige Künstler aus Burkina Faso dabei. Außerdem spielen wir mit dem Ensemble Resonanz. Das ist neu. Die sind so cool. Ich war schon ein paar Mal bei Konzerten von Ihnen.

Hajusom hat mittlerweile auch vier Nachwuchsgruppen. Für unbegleitete Minderjährige Geflüchtete gibt es eine Performance-, eine Koch-, eine Musik und eine Tanzgruppe.

Wie gefällt dir das Theaterfestival „Theater der Welt“?
Das Festival ist großartig. Ich kann nur gutes über das Theater der Welt sagen. Es ist das zweite Mal, dass ich teilnehme. Mein erstes Erlebnis war 2014 in Mannheim. Uraufführung von „Die Schutzbefohlenen“.

Was machst du, wenn du nicht bei Hajusom performst?
Dann bin ich entweder mit meinem Studium der Sozialen Arbeit beschäftigt oder ich arbeite. Ich arbeite mit  Menschen mit Behinderungen. Außerdem bin ich Künstler. Damit ist es immer ein Teil von meinem Leben. Das wird immer so sein. Bis das Leben zum Ende kommt.

Wann kann man mehr von dir sehen?
Als nächstes performe ich mit der Studententheatergruppe vom Thalia Theater am 11. Juni am Elbstrand. Im Oktober geht es dann mit Silmandé nach Ouagadougou.

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