Sanctuary

Als ich beim Oberhafenquartier ankomme, habe ich keine Ahnung, was mich hier heute erwarten wird. „Performative Installation“ steht im Programmheft. Einlass alle 5 Minuten. Aha, also alles andere als ein klassisches Theaterstück.

Während ich in der Warteschlange stehe, treffe ich zufällig Leute, die ich von früher kenne. Wir quatschen ein bisschen. Es ist nett sich wieder zu sehen. Dann dürfen wir rein. Nur sieben Personen pro Einlass. Ein kleiner Kreis also, sehr intim. Es ist dunkel als wir die Halle betreten und uns wird gesagt, dass wir ab jetzt nicht mehr sprechen dürfen. Die Handys werden ausgemacht, Fotos schießen ist nicht erlaubt. Ein düsterer Sound bahnt sich seinen Weg durch all die engen ungemütlichen Gänge eines aus Maschendraht künstlich hergestellten Labyrinths, durch das wir uns gleich bewegen werden. Die schweren bedrohlichen Töne scheinen in jeden Winkel der Halle vorzudringen. Als das grüne Licht aufleuchtet geht es los.

Mit einem Schritt bin ich wieder draußen. Als ich das Tageslicht erblicke, fühle ich Erleichterung. In den letzten 45 Minuten ist viel passiert. Mein Magen ist noch flau, ein seltsamer Nachgeschmack bleibt zurück. Eine Mischung aus schlechtem Gewissen, Scham, Mitleid und Wut auf die Menschheit. Ich weiß erst mal nicht was ich zu meinen alten Bekannten sagen soll. Also setzen wir uns erst mal und schweigen. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Darstellung einmal mehr nur an der Oberfläche der ganzen Flüchtlingsthematik kratzt. Vielleicht ist sie ein bisschen zu plakativ. Fast wirkt sie wie ein absurdes, viel zu reales Gruselkabinett. Vielleicht ist es aber auch genau das, was sie sein soll. Eine Reflexion der Art und Weise, wie wir auch sonst durch Zeitung, Radio und Fernsehen das Leid anderer Menschen einfach nur anschauen. Heute Abend haben diese Menschen zurück geschaut und es war schwer ihrem Blick lange Stand zu halten.

Danja Duta

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