Flight and Command – Von Individualität und Gemeinschaft

Die Hip HopAcademy entwickelte für Theater der Welt die Produktion Flight and Command und feierte gestern ihre Weltpremiere.

Von Individualität und Gemeinschaft

Kisten werden arrangiert, die Tänzer nehmen nach und nach ihre Position auf der Bühne ein. Im Rhythmus des schlagenden Herzens beginnt eine kleine synchrone Bewegungen. Das Wiegen ist gleichförmig und ruhig. Schließlich brechen die Tänzer aus, verlassen Ihre Positionen und werden zu Individuen und verfolgen ihre ganz eigene Choreografie.

Für Theater der Welt entwickelte die HipHop Academy Hamburg die Produktion Flight and Command. Etwa 30 Mitglieder der Akademie vom fortgeschrittenen Nachwuchs bis zum Profi thematisieren gestalterisch die Unterschiede in einer Gemeinschaft. Und stellen Fragen. Wie kann ich gleichzeitig ich selbst und Teil einer Gruppe sein? Was passiert, wenn Unterschiede zu Konflikten werden, wenn Menschen aus einer Gesellschaft fliehen müssen? Mit den verschiedenen Hip Hop Elementen von Breakdance und Newstyle über Rap, Live-Musik und Gesang mit Soulelementen gestalten sie so ein Programm, bei dem es um Individualität und Zusammenhalt gleichermaßen geht.

Mal abstrakt im Tanz, mal mit konkreten Lyrics versetzen sich die Künstler in die Perspektive von Geflüchteten. Wie muss es sich anfühlen, seine Familie und seine Heimat zu verlassen? Oder sie drehen den Spieß um: Was wäre, wenn der Krieg hier in Deutschland stattfände und man selber flüchten müsste? Sie fordern, sind wütend oder haben einfach Spaß am gemeinsamen Tanzen. Doch die Jugendlichen stellen sich in der Produktion auch ihren eigenen Ängsten. So erhält der Zuschauer einen kurzen Einblick in ihre Welt. Erfährt von Sorgen und Bedürfnissen. Von der Angst vor dem ausgeschlossen sein, vor Diskriminierung, von der Frage nach Identität.

Nicht selten werden dabei einzelne Darstellungselemente kombiniert. Gesang und Tanz, Rap und Breakdance. Eine Herausforderung, denn wer zusammen arbeiten will, muss sich genau aufeinander abstimmen. Ein gelungener Act entsteht nur, wenn man aufeinander achtet und sich gegenseitig respektiert. In Flight in Command sehen die Künstler den Zusammenhalt der Community, der Crew als Mikrokosmos und äußern den Wunsch, diesen Zusammenhalt in die Welt, in Gesellschaft und Politik zu übertragen.

Sarah Steinberg, geboren 1986, arbeitet nach einem Studium der Literatur- und Medienwissenschaften als Lektorin und Hörbuchregisseurin in Hamburg. Heute ist sie als Redakteurin tätig und schreibt in der Hansestadt für verschiedene Kulturblogs.

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